09.05.2017 - Das war unser Regionales Treffen zum Thema Nudging...

„Nudging in der Schulverpflegung –  so wecken Sie erfolgreich das Interesse für Gemüse & Co. bei Schülerinnen und Schülern“

Nudging passiert uns allen tagtäglich bei der Auswahl von Speisen und Getränken. Ob im Supermarkt oder in der Gastronomie: Immer wieder werden wir erfolgreich in eine Richtung geschubst (to nudge) und unsere Wahl bewusst auf bestimmte Lebensmittel und Getränke gelenkt.

Dass der Nudging-Ansatz auch in der Schule erfolgreich umgesetzt werden kann, hat die Referentin, Frau Dr. Braun, der Vernetzungsstelle Schulverpflegung Schleswig-Holstein den sehr interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit vielen praktischen Umsetzungs-beispielen vorgestellt.

Nach einer Einführung der Vernetzungsstelle Schulverpflegung Niedersachsen zum DGE-Qualitätsstandard für die Schulverpflegung, der aus wissenschaftlicher Sicht beschreibt, wie eine bedarfsgerechte und ausgewogenen Schulverpflegung gestaltet wird, ging es auch schon zum Hauptbeitrag „Nudging“ über.

Die Begriffsklärung zu Beginn hat schnell gezeigt was Nudging ist und was eben nicht. So werden unter Nudging Maßnahmen verstanden, die das Verhalten von Menschen in vorhersagbarer Weise verändern können, ohne dabei andere Optionen auszuschließen. In die Praxis umgesetzt bedeutet dies, zum Beispiel Obst in der Mensa auf Augenhöhe appetitlich anzubieten und Süßigkeiten oder vermeintlich ungesundem Junkfood weniger attraktive Plätze zuzuweisen. Kein Nudging hingegen ist, diese ganz aus dem Angebot zu nehmen.

Zum besseren Verständnis hat die Referentin im Laufe des Vortrages die Typologie des Nudgings mit vielen praktischen Beispielen erklärt. Anhand der verschiedenen Nudging-Typen lassen sich leicht Maßnahmen für eine gewünschte Verhaltensänderung ableiten. Sozialer Einfluss (der Mensch möchte das tun was andere tun), die Verfügbarkeit und Erreichbarkeit aber auch die Darbietung von Speisen und Getränken sind jeweils unterschiedliche Nudging-Typen.

Die Lösungsansätze sind oft simpel, haben aber eine große Wirkung. So beschreibt die Referentin, dass sich der tägliche Apfelverkauf um 71% erhöht, wenn frisch gespaltene Äpfel am Schulkiosk angeboten werden, und sich die Apfelabfälle dabei um 48% verringern. Ein weiteres Beispiel ist, dass Dreiviertel der Kunden an einem Buffet das wählen, was sie als Erstes wahrnehmen (Nähe, Verfügbarkeit, Erreichbarkeit). Zum Typ „Sozialer Einfluss“ gehört, dass auch die Essenswahl von Autoritätspersonen in der Schule das Kaufverhalten von Schülerinnen und Schülern beeinflusst. Dieser Nugding-Typ ist besonders interessant, passiert es doch oft unbewusst und nicht immer in eine gewünschte Richtung.

Die Beispiele der Referentin stellen die Vorteile des Lösungsansatzes Nudging klar heraus: Es fallen oft keine zusätzlichen Kosten an und es gibt keine Verbannung von unerwünschten Produkten.

Dass Nudging funktioniert, hat Frau Dr. Braun schließlich mit den Ergebnissen einer Masterarbeit zu dem Thema belegt. Aus der Studie ergeben sich unter anderem folgende einfach anzuwendenden Maßnahmen (Nudges): Süßigkeiten und ungesunde Snacks nicht so offensichtlich präsentieren, sondern nur auf der Preisliste aufführen und auf Nachfrage herausgegeben. Ungesunde Snacks  in möglichst kleinen Verpackungsgrößen anbieten und gesunden Snacks einen attraktiven Namen geben.

Nach dem spannenden theoretischen Teil hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer anschließend die Gelegenheit, den Nudging-Ansatz in Gruppenarbeiten anzuwenden. Die Aufgabe war es, durch gezieltes „Nudging-Maßnahmen“ den Obst- und Gemüseverzehr sowie den Verkauf von Wasser an Ihrer eigenen Schule zu erhöhen. Hier gab es erwartungsgemäß einen regen Austausch untereinander und die Teilnehmenden entwickelten einen bunten Strauß von Ideen zur sofortigen Umsetzung.

Fazit: ein schöner Workshop zu einem noch eher unbekannten, aber wichtigen Thema mit sehr interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Eine weitere Veranstaltung zu dem Thema findet am 07.12.2017 in Braunschweig statt.

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