Lebensmittelverschwendung - Was, warum, wieviel?

Globale und regionale Lebensmittelverschwendung

Mülltonne mit Lebensmittelabfällen; © highwaystarz- Fotolia.comJährlich werden auf dem gesamten Globus mindestens 1,3 Milliarden Tonnen genusstauglicher Lebensmittel weggeworfen. In den Entwicklungsländern liegt die Problematik besonders am Anfang der Lebensmittel-Wertschöpfungskette, das heißt nach der Ernte werden vorwiegend unverarbeitete Lebensmittel durch unzureichende Lager- und Transportmöglichkeiten weggeworfen. In den Industrieländern landen dagegen meist schon verarbeitete Produkte aus dem Handel, der Außer-Haus-Verpflegung und den Privathaushalten auf dem Müll.1

Die Folgen dieser Verschwendung sind vielfältig: Zum einen beträgt der CO2-Fußabdruck dieser nicht genutzten Lebensmittel weltweit hochgerechnet 3,3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr und trägt somit als drittgrößter Faktor nach den gesamten CO2-Emissionen der USA und China zu den weltweiten CO2-Emissionen bei.2 Zum anderen werden kostbare Ressourcen, die für den Anbau, die Ernte, die Verarbeitung und den Transport der Lebensmittel verwendet wurden, sinnlos verschwendet. So fließen allein 800 Liter Wasser, bis ein Kilo Äpfel geerntet ist. 1.600 Liter Wasser sind es, bis ein Kilogramm Brot entstanden ist. Für ein Kilogramm Käse sind es fast 3.500 Liter. Für die gleiche Menge Rindfleisch sogar über 15.000 Liter.3 Werfen wir Lebensmittel in den Müll tragen wir also indirekt mit unserem Verhalten zur Verknappung der weltweiten Ressourcen und gleichzeitig zur Steigerung der Preise für Lebensmittel bei.

Zudem kosten Lebensmittelabfälle wirtschaftlich betrachtet bares Geld, denn neben dem Wert der Lebensmittel, der verloren geht, entstehen auch Kosten für die Entsorgung. Darüber hinaus ist die Verschwendung ethisch nicht vertretbar in Anbetracht der Tatsache, dass auf dieser Welt etwa eine Milliarde Menschen Hunger leiden müssen.

In Deutschland beträgt die Menge der weggeworfenen Lebensmittel etwa 18,5 Millionen Tonnen pro Jahr. Davon werden ca. 3,4 Millionen Tonnen und somit 19 % der gesamten Lebensmittelabfälle in der Außer-Haus-Verpflegung verursacht4. Hochgerechnet fallen 65.000 - 87.000 Tonnen auf die Schulverpflegung.5 Bei 45.000 Betrieben der Schulverpflegung in Deutschland wirft jeder Betrieb somit durchschnittlich jährlich 1,8 Tonnen Lebensmittel weg. Obwohl dies eine vergleichsweise geringe Menge im Gegensatz zu anderen Sektoren ist, ist die Verringerung der Lebensmittelabfälle gerade in der Schulverpflegung ein auch aus ernährungspädagogischer Sicht besonders wichtiges Thema.

Warum ist dieses Thema gerade in der Schulverpflegung so wichtig?

Das europäische Parlament fordert eine Halbierung der entsorgten genusstauglichen Lebensmittel bis 2025.6 Um dieses Ziel zu erreichen, ist es dringend notwendig, dass alle Mitglieder des Ernährungssektors an einem Strang ziehen und gezielt Maßnahmen zur Verringerung der Lebensmittelabfälle ausarbeiten und durchführen. Die Schulverpflegung spielt hier eine besondere Rolle, da im Schulalter wichtige Grundsteine für das spätere Verhalten gelegt werden. Die Mensa sollte ein Ort für Ernährungsbildung sein, in dem ein verantwortungsvoller Umgang mit Lebensmitteln vorgelebt wird. Das gemeinsame Mittagessen kann bewusst dazu genutzt werden, Tischkultur und soziale Umgangsformen zu vermitteln und zu verinnerlichen. Außerdem bietet ein abwechslungsreiches Essensangebot die Möglichkeit, sich mit neuen Speisen vertraut zu machen und dabei Genuss und Geschmack zu erleben. Die Schulverpflegung ist somit eine wichtige Schnittstelle zur Ernährungsbildung im Schulunterricht und sollte daher durchdacht und nachhaltig gestaltet werden.

Mengen der Lebensmittelabfälle in der Schulverpflegung

Die Datenlage zu Lebensmittelabfällen in der Schulverpflegung in Deutschland ist dürftig. Bisher identifizierte Ursachen für die Abfälle sind zudem vielschichtig und individuell. Erste Ergebnisse zeigen, dass Verpflegungssysteme die Entstehung von Lebensmittelabfällen maßgeblich beeinflussen. Die im folgenden Diagramm dargestellten Ergebnisse, beruhen auf Fallstudien in acht unterschiedlichen Schulen. Auffallend ist, dass bei dem System der Warmverpflegung (Cook & Hold) der Anteil der Lebensmittelabfälle an der Produktionsmenge am höchsten ist – jeweils ca. 40 %.7,8 Nähere Informationen und den Link zu der Studie des iSuN finden Sie unter „Studien zur Datenerhebung von Lebensmittelabfallmengen in der Schulverpflegung“

 LMVerschwendung Balkendiagramm Vergleich acht Schulen

Abbildung: Abfallmenge in Abhängigkeit des Verpflegungs- und Ausgabesystems
Quelle: Institut für nachhaltige Ernährung (iSuN) der FH Münster (2015) 8


Quellen
1 Gustavsson et al. (2011): Global Food Losses and Food Waste.
2 FAO (Hrsg.) (2013): Food wastage footprint. Impacts on natural resources.
http://www.fao.org/docrep/018/i3347e/i3347e.pdf, zuletzt geprüft am 13.11.2014
3 URL: http://waterfootprint.org/en/resources/interactive-tools/product-gallery/ [12.12.2015]
4 WWF Deutschland (2014): Das große Wegschmeißen. S. 9
5 Kranert M. et al. (2012): Ermittlung der weggeworfenen Lebensmittelmengen und Vorschläge zur Verminderung der Wegwerfrate bei Lebensmitteln in Deutschland. S. 12
6 Caronna S. (2011): Bericht über das Thema: "Schluss mit der Verschwendung von Lebensmitteln - Strategien für eine effizientere Lebensmittelversorgungskette in der EU". S. 7  
7 Institut für nachhaltige Ernährung (iSuN) der FH Münster (2015): Vortrag im Rahmen der Fachtagung „Mensa macht Schule“ der Vernetzungsstelle Schulverpflegung Rheinland-Pfalz „Blickpunkt Lebensmittelverschwendung – Ansatzpunkte für die Schulverpflegung“
8 Simanek (2015): Bachelorarbeit am Institut für nachhaltige Ernährung (iSuN) der FH Münster „Lebensmittelverschwendung in Deutschland und ihre Bedeutung in verschiedenen Verpflegungssystemen der Schulverpflegung“

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