16.06.2020

Rolle der Lehrkräfte bei Schulmahlzeiten

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Sind Lehrkräfte auch Pädagog*innen für Esskultur und bedarfsgerechte Ernährung?

Schulische Mittagsmahlzeiten bieten viele Möglichkeiten zur Ernährungs- und esskulturellen Bildung. Welche Funktionen in dieser Hinsicht dem Betreuungspersonal in der Mensa zugeschrieben werden, hat die Pädagogische Hochschule Freiburg im Rahmen einer Studie an zwei weiterführenden Schulen in Baden-Württemberg untersucht. Befragt wurden Schulleitungen, Lehrkräfte, Schüler*innen und Personal des Schulträgers. Die Rekrutierung der Schulen erfolgte mit Unterstützung der Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Baden-Württemberg.

 

Vorbildfunktion der Lehrkräfte

Im Ergebnis beschreibt die Studie, dass mit dem Handeln von Lehrkräften während der Mittagsmahlzeit vielfältige ernährungspädagogische Aufgaben verbunden werden. So betrachten die Befragten die Lehrkräfte nicht nur als Vorbilder, sie betonen auch deren Verantwortung für eine informelle esskulturelle Bildung.

 

Toleranz für individuelle Haltung der Schüler*innen

In der Beurteilung der Speisenauswahl der Schüler*innen im Hinblick auf eine bedarfsgerechte Ernährung agieren Lehrkräfte eher vorsichtig. Sie tolerieren individuelle Haltungen zum Essen als Teil des Privatlebens, in das sie sich eher nicht einmischen möchten. Die Studie zeigt außerdem, dass Lehrkräfte häufig als Privatperson am Mittagessen teilnehmen, weil Arbeitsstunden für die Begleitung der Mittagsmahlzeiten z. T. gar nicht oder nur zu ca. 50 % auf das Arbeitsstunden-Deputat angerechnet werden dürfen.

 

Professionelle Rolle wird immer erwartet

Nach Auffassung der Studien-Expert*innen stärken gemeinsame Schulmahlzeiten die Kommunikation zwischen Lehrkräften und Schüler*innen, Beziehungen können sich dadurch vertiefen. Zugleich weisen sie darauf hin, dass die Schulmahlzeit als institutionelles Setting ein bestehendes Rollenverständnis unterstreicht: Von Lehrkräften wird grundsätzlich die Ausübung einer professionellen Rolle erwartet, ob sie nun als Betreuungskraft oder als Privatperson am Essen teilnehmen.

 

Pädagogisches Potenzial gemeinsamer Mahlzeiten

Daher sollte das Betreuungspersonal mit den notwendigen Kompetenzen ausgestattet werden, um die (ernährungs-)pädagogischen Potenziale gemeinsamer Mahlzeiten besser zu nutzen. Als hilfreich erachten die Studien-Expert*innen außerdem die Entwicklung entsprechender schulspezifischer Konzepte im Hinblick auf das gemeinsame Essen.

 

Der vollständige Artikel zur Studie ist auf den Seiten der Ernährungs-Umschau kostenfrei abrufbar.

 

Quelle: Nationales Qualitätszentrum für Ernährung in Kita und Schule (NQZ), Presse, NZQ – Aktuelles, Stand: 16.07.2020.